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Pressemeldung: Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg trotzt der schlechten Konjunktur

09. Februar 2012

Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg trotzt der schwachen Konjunktur:

"Ein gutes Konzept darf an fehlenden Sicherheiten nicht scheitern"

Für die Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg GmbH (BG) und ihre 3.300 mittelständischen Kunden war 2001 ein schwieriges Geschäftsjahr. Der ausgeprägten Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur und den Folgen der Terroranschläge vom 11. September konnte die BG jedoch trotzen: Bürgschaftsanträge blieben mit 800 genauso unverändert gegenüber dem Vorjahr wie die Zahl der neu übernommenen Bürgschaften mit 504. Das Bewilligungsvolumen stieg sogar auf 151 Millionen Mark (2000: 134 Millionen Mark). Das verbürgte Kreditvolumen betrug im vergangenen Jahr 211 Millionen Mark (2000: 189 Millionen Mark). Spiegelbild der Konjunktur ist das weiterhin hohe Niveau der Bürgschaftsausfälle: 63 nach 89 im Jahr 2000, für die 13,5 Millionen Mark zu zahlen waren.

Dr. Stefan Papirow, Geschäftsführer der BG, betont vor dem Hintergrund des negativen Umfeldes die Bedeutung der BG als wichtiges Wirtschaftsförderungsinstrument der Stadt Hamburg: "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten brauchen mittelständische Betriebe einen leistungsstarken und konstruktiven Partner. Dieser Partner waren wir im vergangenen Jahr - und wir bleiben es auch künftig. Sorgen macht uns aber die nicht mehr zu übersehende Abkehr vieler Banken von unseren Kunden, den meist kleinen Mittelständlern!"

120 aller übernommenen Bürgschaften entfielen im vergangenen Jahr auf den Bereich Handel. Das entspricht 25,4 Prozent. Im Handwerksbereich übernahm die BG - die drittstärkste Bürgschaftsbank Deutschlands im Neugeschäft - 104 Bürgschaften (19,5 Prozent), das Bürgschaftsvolumen stieg um 25 Prozent. Auffallend ist der Trend bei Handwerksbetrieben, neben dem Kerngeschäft weitere Dienstleistungen anzubieten. Ein Beispiel ist die Malerunion-Nord GmbH, die verschiedene Gewerke aus einer Hand bietet. Gesellschafter Mirko Witthoefft: "Der Vorteil für den Kunden: Er erhält die Leistungen verschiedener Spezialisten, hat aber nur einen Ansprechpartner."

Im Bereich Industrie wurden 52 Bürgschaften (17 Prozent) bewilligt. Ein Hauptgrund für den Rückgang der Anträge auf eine Bürgschaft ist die schwächer gewordene Gründerwelle. Gleichzeitig ist der Beratungsbedarf größer geworden. Das spüren auch die BG-Mitarbeiter: Sie benötigten im vergangenen Jahr mehr Zeit, um alle Fragen der Gründungswilligen zu beantworten und die Konzepte zu prüfen, als noch 1999 und 2000. Im Mittelpunkt der Beratung stand in der Regel die Gestaltung des Finanzierungskonzeptes.

H.E.I. besonders von Frauen gesucht

Die Beraterinnen der Hamburger Initiative für Existenzgründungen und Innovationen (H.E.I.), die unter dem Dach der BG arbeiten, haben 2001 rund 3000 Anfragen bearbeitet und 450 intensive Gespräche geführt. Erstmals war der Anteil der um Rat suchenden Frauen mit 52 Prozent höher als der Anteil der Männer. Die meisten Gründungen wurden im Dienstleistungssektor geplant (55 Prozent). An Bedeutung gewonnen hat 2001 die Thematik der Nachfolgeregelung. Viele potentielle Unternehmer erkennen inzwischen die Chance, durch die Übernahme eines bestehenden Betriebes nicht bei Null anfangen zu müssen, sondern auf vorhandene Kunden- und Lieferantenkontakte, bewährte Produkte oder Dienstleistungen aufbauen zu können. Der gemeinsam mit dem H.E.I.-Sponsor "TeamConcept" der Vereins- und Westbank AG aufgebaute H.E.I.-Infopoint widmet sich insbesondere den Fragen der Nachfolgeregelung.

Konjunkturaufschwung kommt in der zweiten Jahreshälfte

In den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat sich die Entwicklung des letzten Quartals des Jahres 2001 verstärkt. Die anhaltend schwierige gesamtwirtschaftliche Lage und die Zurückhaltung vieler Banken bei der Kreditvergabe wird das Bürgschaftsgeschäft weiter belasten. Mit einer Belebung der Konjunktur rechnet die BG frühestens zum Jahresende. Etwas optimistischer sind die Hamburgische Landesbank und Hamburgs Unternehmer. Auch die Zahl der Bürgschaftsausfälle wird im laufenden Jahr wohl noch einmal steigen, denn die BG-Kunden spüren die Auswirkungen der ökonomischen Rahmenbedingungen erst mit zeitlichem Verzug. Dr. Stefan Papirow: "Von einer Aufhellung des Konjunkturhimmels dürften dann besonders der Medienbereich und die New Economy profitieren, die durch den Abschwung extrem gebeutelt wurden."

Basel II - für die Banken ein Alibi für die Trennung von kleinen und mittelständischen Kunden

Ab 2005 wird "Basel II" das Rating der Kreditinstitute vereinheitlichen, das bei der Vergabe von Krediten zu Grunde gelegt wird. Vor allem für kleine und mittelständische Betriebe ist Basel II ein rotes Tuch, sie befürchten, dass für sie Kredite künftig teurer werden. Schon heute registriert die BG, dass Banken Basel II als Alibi nutzen, um sich schleichend aus dem margenschwachen, aber beratungs- und arbeitsintensiven Mittelstandsgeschäft zurückzuziehen. BG-Chef Papirow: "Die Ausgrenzung kleiner und mittlerer Betriebe von der Kapitalbeschaffung, die wir zunehmend feststellen müssen, ist volkswirtschaftlich eine Katastrophe. Und gerade für die Unternehmen, die das Rückrat der Hamburger Wirtschaft darstellen, ist diese Entwicklung das falsche Signal."

Die BG versucht den Beratungsbedarf, der durch die Einführung von Basel II entstanden ist, zu decken. Die BG empfiehlt den Betrieben, das Thema Rating in enger Zusammenarbeit mit den Hausbanken aktiv anzugehen. Besonders ratsam sei die Verfeinerung der Planungssysteme und die Verbesserung der Außendarstellung. "Nur gut informierte Banken werden auch ein gutes Rating abgegeben", ist Dr. Stefan Papirow überzeugt. "Auch in diesen Fragen lassen wir die Unternehmen nicht allein. Wir informieren, beraten und helfen, wo wir können." Und wenn es einer Firma mit Zukunft lediglich an Sicherheiten fehlt, um von der Bank oder Sparkasse als Kreditkunde akzeptiert zu werden, dann springt die BG mit einer Ausfallbürgschaft zur Seite. Papirow: "Eine bessere Sicherheit für Mittelstandskredite als die Bürgschaft einer Bürgschaftsbank gibt es nicht."

Die Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg wird auch in Zukunft für die Kreditversorgung des Mittelstandes eine wichtige Rolle spielen. Dr. Stefan Papirow: "Ein gutes Konzept darf an fehlenden Sicherheiten nicht scheitern."


Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg GmbH, Pressemeldung vom 15. Mai 2002

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