An der Hausbank kommt keiner vorbei
23. Mai 2012
An der Hausbank kommt keiner vorbei -
Bürgschaftsbanken: Sie begleiten Mittelständler über viele Jahre
VDI Nachrichten, Düsseldorf, 21. Juni 2002.
Bürgschaftsbanken helfen Mittelständlern finanziell auf die Sprünge. Spielt deren Hausbank mit, begleitet sie die Unternehmen über viele Jahre.
"Wir waren bei keiner der spektakulären Pleiten dabei", ist eine der guten Nachrichten, mit denen Stefan Papirow, Geschäftsführer der BürgschaftsGemeinschaft Hamburg GmbH (BG), über das vergangene Geschäftsjahr berichtet. Eine der weniger guten Nachrichten ist aber, dass sich immer mehr Banken aus dem Kreditgeschäft zurückziehen. Das Alibi der Banken dafür heißt "Basel II". Der eigentliche Grund liegt aber in den geringen Renditen, die Mittelstands-Kreditgeschäfte den Banken bescheren. Sinnvoll wäre deshalb eine Verbesserung der Margen durch höhere Preise für Kredite - mit einer Begleitung durch die BG etwa.
Angesichts des Generationswechsels besteht gerade in den kleinen Betreiben der mittelständischen Wirtschaft in den nächsten Jahren ein enormer Handlungsbedarf. Papirow schlägt zur Unterstützung der Firmen, die zukunftsfähige Konzepte haben, unter anderem vor, die Anrechnung von Sicherheiten zu reformieren und das gesamte Vorhaben besser an die deutsche Volkswirtschaft anzupassen. Gleichzeitig solle die Politik die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften finanziell nachhaltig stärken.
An der BürgschaftsGemeinschaft Hamburg - in anderen Bundesländern heißen diese Institute Bürgschaftsbanken - sind insgesamt 90 Gesellschafter beteiligt: Großbanken, Regionalbanken, Handwerkskammer und -innungen und zahlreiche Verbände. Das Kapital allerdings kommt zu 90 % aus dem Bankensektor. 21 Mio.DM Eigenkapital waren es im Jahr 2001. Damit verbürgte sie ein Kreditvolumen von insgesamt 211 Mio.DM. Bundesweit belegt sie damit Platz drei nach den Bürgschaftsbanken in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
Das verbürgte Kreditvolumen entspricht nur einem Anteil der Kredite, mit denen die so gestärkten Firmen operieren können. Da die Bürgschaftsbanken nicht die abgesicherten Kredite verbürgen und das auch nur zu maximal 80 % ( den Rest muss die Hausbank übernehmen, über die der Kredit auch abgewickelt wird), steht das Zwei- bis Dreifache an Geldern, mit denen ihre Kunden rechnen können.
Natürlich ziehen auch Bürgschaftsinstitute nicht immer das große Los bei ihrer Zusage und der Kunde meldet Konkurs an. Mit einem Ausfall von 2,1 % des Bestandes 2001 war dieser Teil des Geschäfts für die BG 2001 "sensationell klein", wie ihr Chef betonte. Fällt ein Kunde aus, geht es dann aber doch ans Bezahlen.
Traditionell kommen die Anträge auf Kreditbürgschaften über die Hausbanken der Kunden. Möglich ist aber auch der direkte Weg zur Bürgschaftsbank. Dort werden Konzepte und Qualitäten der Firmenleitung geprüft. Es geht nämlich nicht um die kurzfristige Gewinnbeteiligung, sondern um die langfristige Begleitung des Unternehmens, in der Regel über zehn Jahre. Die Entscheidung fällt dann meist rasch. Voraussetzung ist aber, dass die Hausbank mitspielt.
Sabine Wiermann
Quelle: VDI Nachrichten, Düsseldorf, 21. Juni 2002

